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Die erste multilinguale Online-Schülerzeitung des Gymnasiums Komenský

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Gesellschaft

Den Terror in Graz als Mahnung verstehen

Vor nun fast zwei Wochen erschüttert eine schreckliche Eilmeldung aus einem Grazer Bundesoberstufenrealgymnasium nicht nur die österreichische Bevölkerung, sondern lässt auch die restliche Welt stillstehen. Dieser 10. Juni wird für immer in die Geschichte der Zweiten Republik als schlimmste Bluttat eingehen.


Ein ungefährer Tathergang

Der 21-Jährige ehemalige Schüler des BORG Dreierschützengasse, dessen Name nicht offiziell bekannt gegeben wurde, betritt gegen 9:43 Uhr morgens sein ehemaliges Schulgebäude. Ausgestattet mit zwei legal besessenen Feuerwaffen hatte er sich in der Toilette im dritten Stock vorbereitet und startete gegen 9:57 das wahllose Feuer auf Schüler und Schülerinnen des BORG. Dabei soll er gezielt eine versperrte Klasse aufgesucht haben und diese mit seiner Waffe geöffnet haben. Während dieses 7-minütigen Amoklaufes hat er 9 Leben von Schüler:innen sofort genommen, eine Lehrerin verstarb später im Spital. Anschließend begab sich der Amokläufer gegen 10:07 auf eine Toilette und beging dort Suizid. Die Polizei und andere Spezialeinheiten konnten um 10:13 mit dem Fund der Leiche des Täters ein wenig später auch das Schulgebäude für Einsatzkräfte und Sanitäter freigeben. Von den ca. ein Dutzend Verletzten sind mittlerweile keine der Schwerverletzten mehr auf der Intensivstation und aktuell in einem stabilen Zustand, nach Angaben der APA von vergangener Woche konnten außerdem bereits zwei Überlebende das Spital verlassen.

Wie konnte es dazu kommen?

Unter den Unmengen von Fragezeichen zu dieser Tragödie versteckt sich vielleicht vor allem die Frage, wie es zu dieser Bluttat überhaupt kommen konnte. Hatte die Sicherheit der Schüler:innen und Kontrolle an Personen am BORG versagt? Oder war es die Lücke im österreichischen Waffengesetz, die es ihm ermöglichte, trotz seiner Einstufung als untauglich bei der Stellungskommission, 2 Waffen legal zu besitzen und sogar in einem Schießverein Mitglied zu sein? Diese Fragen kann man leider nicht so einfach beantworten. Was aber außer Frage steht: Der Täter ist im Internet und über Austauschportale in die „School Shooting“-Szene hineingerutscht, und hat sich wissentlich auf eine Nachstellung solch einer Aktion vorbereitet. Diese „Community“ von sogenannten „Copycats“ glorifiziert Schulamokläufer, die als missverstandene „Opfer“ von Mitschülern bzw. „Bösewichten“ dargestellt werden, die somit die an ihnen begangene Tat „verdient“ hätten. Diese Szene geht jedoch noch viel tiefer und ist um einiges komplexer, da die Szene aus mehreren Untergruppen besteht. Psychologen und Amokforscher streiten untereinander, wo die Grenze zwischen Personen mit „Fanboy/girl“-artigem Interesse an dem Gewaltakt und dann jenen, die selbst zur Waffe greifen wollen, ist. Eine Sache, die aber alle verbindet: die Abgrenzung von der „realen“ Welt in einer Bubble, die Gewalt verherrlicht.



Was nun?

Zwischen den unzähligen Trauerfeiern und dem Wirbel der Presse ist jetzt die Frage aller, wie man auf diesen Gewaltakt reagieren sollte. Doch während im ganzen Land große Verwirrung und Ungewissheit herrschen, berichten große Medien sofort über diesen Amoklauf und dessen Hintergründe und spekulieren über die Identität des Täters. Einige fordern die offizielle Nennung des Täters, während die Regierung wiederum auf dessen komplette Zensur beharrt. Im Nationalrat wurde in den vergangenen Tagen eine Verschärfung des aktuellen Waffengesetzes mit erschwertem Zugang angekündigt, zusätzlich wird auch an einem Ausbau an schulpsychologischen Angeboten bzw. Betreuung gearbeitet. Man möchte die Opfer so gut wie möglich schützen, heißt es, und Wiederholungen jeglicher Art nach besten Kräften vermeiden.

Was bedeutet das für uns?

Klar ist, dass dieser Blutakt ein weiterer Beweis für die Notwendigkeit ist, nicht wegzusehen, wenn sich jemand von der Gesellschaft distanziert. Genau wie bei anderen Schulamokläufern gab es auch ähnliche Hinweise bei dem Grazer Täter, die jedoch leicht übersehen werden konnten und leider wurden. Aber das sollte niemanden davon abhalten, nicht einzugreifen und bei einer Person nachzufragen, wenn Sorge besteht. Denn nur zusammen können wir diesen Menschen helfen, die diese psychische Unterstützung vielleicht jetzt mehr denn je brauchen.

Ein Gedanke zu „Den Terror in Graz als Mahnung verstehen

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